Die Jagd gehört seit Generationen zur Kulturlandschaft des Ebbegebirges. Wälder, Wiesen und Bachtäler prägen die Reviere rund um Herscheid und bieten zahlreichen Wildarten einen wertvollen Lebensraum.
Seit über 100 Jahren engagieren sich Jägerinnen und Jäger gemeinsam für den Erhalt dieses Naturraums, für eine nachhaltige Wildbewirtschaftung und für die Pflege jagdlicher Traditionen.
Die Anfänge der Herscheider Jägerschaft
Der genaue Gründungszeitpunkt des Hegerings Herscheid lässt sich heute nicht mehr eindeutig bestimmen, da schriftliche Unterlagen aus den Anfangsjahren nur lückenhaft erhalten sind.
Ein früher Hinweis auf eine organisierte Herscheider Jägerschaft findet sich in einem Antrag aus dem Jahr 1966. Der damalige Hegeringleiter Paul Brinkmann beantragte bei der Kreisgruppe Altena-Lüdenscheid Treuenadeln für sechs langjährige Mitglieder. Für das Hegeringmitglied Otto Kaufmann wurde dabei das Eintrittsjahr 1911 festgehalten. Dies lässt darauf schließen, dass sich die Herscheider Jäger bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemeinschaftlich organisierten.
Die ersten erhaltenen Unterlagen zur Jagdverpachtung in Herscheid stammen aus dem Jahr 1929. Zu dieser Zeit bestand bereits ein Zusammenschluss der örtlichen Jäger unter der Führung von Hermann Alberts.
Die Herscheider Jagdbezirke
Im Jahr 1929 bestanden in Herscheid zehn gemeinschaftliche Jagdbezirke und elf Eigenjagden. Heute umfasst der Hegering weiterhin zehn gemeinschaftliche Jagdbezirke sowie vier Eigenjagden.
Die bejagbare Fläche der gemeinschaftlichen Jagdbezirke beträgt rund 3.685 Hektar. Insgesamt erstrecken sich die Jagdflächen im Bereich des Hegerings Herscheid über etwa 5.400 Hektar.
Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg
In seiner heutigen Organisationsform entstand der Hegering nach der britischen Besatzungszeit im Jahr 1952. Die älteste erhaltene Mitgliederliste stammt aus dem Jahr 1958 und verzeichnet bereits 40 Hegeringmitglieder.
Seitdem entwickelte sich der Hegering kontinuierlich weiter. Heute zählt die Gemeinschaft rund 170 Mitglieder. Besonders erfreulich ist, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Jungjägerinnen und Jungjäger im Rahmen einer feierlichen Zeremonie aufgenommen werden konnten.
Sie tragen dazu bei, jagdliches Wissen, Verantwortungsbewusstsein und die Verbundenheit zur heimischen Natur an die nächste Generation weiterzugeben.
Die Hegeringleiter
Die Entwicklung des Hegerings wurde über viele Jahrzehnte von engagierten Persönlichkeiten geprägt:
- Hermann Alberts sen. – bis 1952
- Otto Herzog sen. – 1952 bis 1963
- Paul Brinkmann – 1963 bis 1970
- Ernst August Ries – 1970 bis 1979
- Karl-Heinrich Quade – 1979 bis 1985
- Friedrich Emil Wiggenhagen – 1985 bis 2002
- Lothar Schütz – 2002 bis 2006
- Dr. Mathias Dunkel – 2006 bis 2026
- Ralf Althoff – seit 2026
Gemeinschaft und jagdliches Engagement
Der Hegering Herscheid versteht sich als starke Gemeinschaft der örtlichen Jägerinnen und Jäger. Im Mittelpunkt stehen die nachhaltige Hege und Bejagung des Wildes, der Natur- und Artenschutz, die Förderung des jagdlichen Nachwuchses sowie der fachliche und persönliche Austausch.
Zweimal im Jahr werden revierübergreifende Ansitzjagden durchgeführt. Darüber hinaus organisiert der Hegering regelmäßig Informationsabende, Fachvorträge, Lichtbild- und Filmvorführungen sowie weitere gemeinschaftliche Veranstaltungen.
Wildarten im Ebbegebirge
Die Wildarten des Ebbegebirges spiegeln die Vielfalt der Herscheider Landschaft wider. Zu den bedeutendsten Schalenwildarten gehören das Rehwild, das Schwarzwild und das im Jahr 1975 eingebürgerte Damwild. Das Damwild hat sich inzwischen fest in der Region etabliert und breitet sich zunehmend aus.
Darüber hinaus kommt im Ebbegebirge auch Rotwild vor. Zu den weiteren heimischen Wildarten zählen unter anderem:
- Fuchs
- Dachs
- Feldhase
- Marder
- Ringeltaube
- verschiedene Rabenvogelarten
- weiteres Raub-, Nieder- und Flugwild
Auch der Waschbär ist inzwischen in der Region heimisch geworden und breitet sich zunehmend aus.
Tradition und Verantwortung
Der Hegering Herscheid verbindet jagdliche Tradition mit den Anforderungen einer modernen und verantwortungsvollen Jagdausübung. Jagd bedeutet für uns weit mehr als die Ausübung des Weidwerks. Sie ist gelebte Verantwortung für Wild, Wald, Natur und Kulturlandschaft.
Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, natürliche Lebensräume zu erhalten, Wildbestände nachhaltig zu bewirtschaften und jagdliches Wissen an kommende Generationen weiterzugeben.